Budapester Gambit – A52

Bacrot, Etienne
Shirov, Alexei

Sarajevo 2000

 

1.d4 Sf6 2.c4 e5 3.dxe5 Sg4 4.e4 Sxe5

4...h5 ist in den Eröffnungsbüchern noch immer nicht erfasst.

5.f4 Sec6 6.Sf3

Das ruhige Abspiel, aber nicht ohne versteckte Drohungen.

6...Lc5 7.Sc3 0-0 8.f5N

Damit erobert Bacrot Raum und bereitet einen zukünftigen Bauernsturm am Königsflügel vor. Mit f5 hemmt er auch den Lc8 – Lg4 ist eine ganz wichtige Ressource im Kampf um die dunklen Zentralfelder. Doch dieser Zug hat auch einen Nachteil: er verliert Zeit und schwächt eben diese dunklen zentralen Felder. Man beachte, dass Schwarz seine Bauern noch auf den »idealen« Ausgangsfeldern hat (Steinitz' Maxime!), so dass er sie noch sehr flexibel, je nach Spielanlage des Weißen, handhaben kann.

8...d6 9.Lg5 f6 10.Lf4 Te8

Leitet bereits Gegenspiel ein (Lxf5), da der Weiße seinen König ja noch im Zentrum hat (Konsequenzen von 8.f5).

11.Dd5+ Kh8 12.0-0-0 Sd7 13.h4

Jetzt kommt die Zeit für einen Bauernsturm! Doch Schwarz ist darauf vorbereitet.
13.g4 mit unklarer Stellung lautet die Empfehlung von Shirov und der ECO , doch der Angriff gegen den Sc3 – und damit gegen den e4-Bauern – mit 13...Lb4 gibt Schwarz genug Gegenspiel: 14.g5 Lxc3 15.bxc3 Sc5 16.Ld3 Ld7 17.Thg1 De7

13...Sce5 14.h5 h6

und der Bauernvormarsch am Königsflügel ist für lange Zeit blockiert.

15.Dd2

Ein Versuch, dem Königsangriff mit dem Opfer Lxh6 neues Leben einzuhauchen.

15...Sf7

verhindert das Läuferopfer

16.Ld3

Weiß steht bereit, das wichtige Feld d5 zu besetzten, doch Schwarz verhindert dies umgehend mit

16...Lb4 17.Lc2 Sc5

und, wie üblich in diesem Abspiel, wird der e4-Bauer zum Angriffsziel (nach dem Verschwinden des d-Bauern und dem frühen Vorstoß des f-Bauern).

18.Dd5 Kg8

Weiß sind offenbar die aggressiven Züge ausgegangen.

19.Se2?!

Besser war 19.Ld2 Ld7 mit einer unklaren Stellung. Nun startet Schwarz plötzlich seinen Gegenangriff:

19...c6 20.Dd4 Lxf5! 21.exf5 Txe2

und das weiße Zentrum – das Ziel dieses Eröffnungsabspiels – ist zerschlagen.

22.Sg1 Txg2

Diese Stellung sieht durchaus spielbar aus für Weiß, aber die restliche Partie zeigt, dass Shirov einfach weiter gerechnet hat als sein Gegner.

23.a3

Im kritischen Abspiel 23.Le4 Sxe4 24.Dxe4 Tg4 25.Df3 Se5 26.Lxe5 Txc4+ 27.Lc3 Lxc3 28.bxc3 Da5 hat Schwarz Angriff und drei Bauern für den Springer. 29.Kb2 Ta4 30.Ta1 Te8 31.Dd1 Te5 -+

23...Dd7 24.axb4 Txc2+ 25.Kxc2 Dxf5+ 26.Kc3 Se6 27.De3 Sxf4 28.Sf3 a5!

Leitet eine neue Angriffswelle ein – drei Bauern fuer die Qualität hat Schwarz ja schon.

29.Ta1 axb4+ 30.Kxb4 Td8

Mit der Idee, so viele Linien wie möglich gegen den weißen König zu öffnen.

31.Thf1 Dc2 32.Dc3 c5+ 33.Kb5 De4 0-1

Das Matt ist nahe, und Weiß gab auf. Man beachte, dass der schwarze Königsflügel nach wie vor ganz sicher steht und das weiße Bauernzentrum verschwunden ist: der Gegenangriff von Schwarz war so stark, dass Weiß einfach nicht dazu kam, einen eigenen Angriffsplan durchzuführen.

Kommentar: Dmitrij Oleinikov