Budapester Gambit – A52

Adler
Maroczy, Geza

Budapest 1896

 

1.d4 Sf6 2.c4 e5 3.dxe5 Sg4

Das ist die Hauptidee des Budapester Gambits – der schwarze Springer setzt sofort den weißen Mehrbauern unter Druck. Weiß kann den Bauern e5 auf mehrere Arten verteidigen: mit Sf3, Lf4 oder Dd4 bzw. Dd5; von großer Bedeutung ist dabei die Zugfolge. Klassische Prinzipien fordern, dass zunächst ein Springer zu entwickeln ist, also

4.Sf3 Lc5

Dieser Angriff auf f2 (den man eher in offenen Spielen erwartet!) erzwingt den Zug

5.e3

Der Läufer c1 kann jetzt nicht nach f4 gelangen, um den Mehrbauern zu überdecken. Schwarz verstärkt seinen Angriff auf e5 mit einfachen und gesunden Entwicklungszügen.

5...Sc6 6.Dd5

Ein scheinbar aktiver Zug, der sich in unteren Spielklassen einiger Beliebtheit erfreut. Doch nur auf den ersten Blick scheint der Damenzug mit Tempogewinn verbunden zu sein; zwar verteidigt die Dame e5 und greift gleichzeitig den Läufer c5 an, aber Schwarz steht eine logische Antwort zur Verfügung:

6...De7

Prägen Sie sich diese Stellung ein: Nachdem der Läufer f8 entwickelt ist – entweder nach b4 oder nach c5 – verstärkt die Dame den Angriff auf e5. Dieses Manöver kommt in den verschiedensten Abspielen des Budapester Gambits vor. Übrigens, Weiß kann den Mehrbauern, der sich weit von den weißen Kräften entfernt hat, sowieso nicht halten.

7.Sc3 Sgxe5

Diese Stellung verdeutlicht die Hauptidee des Budapester Gambits: Mit einfachen Entwicklungszügen erobert Schwarz den geopferten Bauern zurück.

8.Le2 d6

Der frühe Ausflug der weißen Dame wird bestraft; durch den Angriff auf die stärkste Figur gewinnt Schwarz ein Tempo. Und schauen Sie sich den Springer e5 an, der schon wieder einen Bauern im Visier hat, diesmal den auf c4.

9.Se4?

Der Versuch, einen »Angriff« zu inszenieren. Die Rochade hätte den Anziehenden auch nicht weiter gebracht. Schwarz dagegen hat ein klares Ziel: den Bauern c4.

9.0-0 Le6 10.De4 f5 11.Db1 [11.Df4 der Versuch, die Dame im Zentrum zu halten, würde nur dem Nachziehenden dabei helfen, lang zu rochieren und einen Bauernsturm gegen das Monarchenpaar vorzubereiten: 11...h6 12.Sd5 Df7 13.Td1 g5 14.Sxe5 dxe5 15.Dg3 0-0-0 16.a3 f4 17.exf4 exf4 18.Dd3 Sd4 mit klarem Vorteil fuer Schwarz.] 11...Sxc4 12.Lxc4 Lxc4 mit klarem Vorteil für Schwarz. Diese Abwicklung unterläuft gerade unerfahrenen Spielern des öfteren. Weiß kann den Bauern nun wegen des drohenden Qualitätsverlusts nicht zurücknehmen.

9...Le6 10.Dd1 Lb4+

Besser als 10...Sxc4 11.Sxc5 dxc5

11.Ld2 0-0-0

Nach kaum 11 Zügen hat Schwarz das bessere Spiel. Vielleicht hoffte Weiß auf die Falle 11...Sxc4? 12.Lxb4 Sxb4 13.Da4+ Sc6 14.Lxc4

12.Lxb4 Sxb4

Weiß hätte nun vollständig auf Verteidigung umschalten müssen; doch Adler fährt fort, »aktive« Züge zu machen.

13.Db3

Was nun folgt, ist eine einfache Reaktion: da sich der weiße König immer noch im Zentrum befindet und Schwarz über Entwicklungsvorsprung verfügt, öffnet Maroczy Linien und Diagonalen für seine Türme und Läufer und startet einen Angriff.

13...Sxf3+ 14.Lxf3 d5 15.Sd2 dxc4 16.Sxc4 Td3 17.Da4 Lxc4 18.Dxa7?

Die letzte Hoffnung, auf b7 einzudringen; aber Schwarz ist am Drücker. Auf das bessere 18.0-0 folgt 18...La6

18...Sc2+ 0-1

18...Sc2+ 19.Ke2 [19.Kf1 Td1 matt] 19...Rdd8 matt

Kommentar: Dmitrij Oleinikov