Katalanisch – E05

Ribli, Zoltan - 2610
Karpov, Anatoly - 2725

IBM – Amsterdam 1980

 

1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.g3 d5 4.Lg2 Le7 5.Sf3 0-0 6.0-0 dxc4 7.Dc2 a6 8.Dxc4 b5 9.Dc2 Lb7 10.Lf4 Sd5 11.Sc3 Sxf4 12.gxf4 Sd7 13.Tfd1 Dc8 14.Se4 c5 15.dxc5 Sxc5 16.Sxc5 Dxc5 17.Dxc5 Lxc5 18.Tac1 Tfc8 19.Se5 Lxg2 20.Kxg2

Wir erreichten eine hoch interessante Stellung. Die Tatsache, dass ein Spieler von Karpovs Kaliber nicht in der Lage war, das scheinbar einfache Endspiel zu verteidigen, ist ein klarer Hinweis, dass hier viele Feinheiten versteckt sind. Ich versuche einige von ihnen aufzudecken. Der weiße Vorteil besteht aus zwei hauptsächlichen Details. Erstens hat er beide offenen Linien besetzt, was ihm die Möglichkeit gibt, auf verschiedene Art und Weise Druck auf den Gegner auszuüben. Zweitens, wenn es eine Menge schwacher Punkte gibt, ist sein Springer momentan stärker als der schwarze Läufer.

20...f6

Gegen 20...Tc7 empfiehlt Ugrinovic 21.Sd3 Ld6 22.Txc7 Lxc7 23.Tc1 mit leichtem Vorteil für Weiß. Diese Einschätzung scheint korrekt zu sein: der Turm kontrolliert die offene c-Linie, während der Springer das perfekte Feld d3 besetzt und jedes Gegenspiel auf der d-Linie verhindert.

Interessanter ist jedoch die Einschätzung von Moiseejev und Ravinsky: 20...Tc7 21.b4 Ld6 22.Txc7 Lxc7 23.Sxf7! Lxf4 24.Sd8 ±

21.Sf3

In dieser konkreten Stellung würde 21.Sd3 weniger Sinn machen, weil es den Weg seines eigenen Turmes zur 7. Reihe blockieren würde.

21...Lf8

Dies ist ein forcierter Zug, der Weiß hindert, die 7. Reihe zu besetzen. Eine seltsame Situation: momentan kann keiner von beiden konkrete Aktionen starten. Der Turmtausch steht außer Frage für beide Spieler. Schwarz kann seinen König nicht aktivieren, weil dies Td7+ zulassen würde. Dieser gegenseitige Pseudo-Zugzwang favorisiert eindeutig Weiß, der bessere Möglichkeiten hat, seine Stellung Schritt für Schritt zu verbessern.

22.e3 g6 23.b3

Ribli versteht, dass er eine weitere Linie am Damenflügel öffnen muss, sonst werden sich die Türme auf der c-Linie immerfort beobachten. Jedoch, obwohl er schon h3 im nächsten Zug spielen wollte, wäre das direkte 23.h3 ein wenig besser gewesen, weil es noch nicht die schwarzen Felder am Damenflügel schwächt.

23...Lb4

Warum sah Karpov vom Tempogewinn ab, mit 23...La3, was ihm die Kontrolle der c-Linie gelassen hätte nach 24.Txc8+ Txc8? Die Antwort ist, dass der Läufer auf a3 schlecht steht, was gesehen werden kann in der Variante 25.Td7 Tc2 26.Ta7 Txa2 27.Txa6, in welcher die Schwäche der Bauern e6 und b5 sowie die Fesselung auf der a-Linie das Leben für Schwarz schwer machen.

24.h3

Ein weiterer nützlicher Zug. Obwohl sein Nutzen noch nicht vollkommen klar ist, ist es besser, solche isolierten Bauern auf Felder zu stellen, welche die gegensätzliche Farbe vom gegnerischen Läufer haben, um in manch einer forcierten Variante kein Tempo zu verlieren.

24...Kf8

Es könnte so aussehen, als wäre es eine Konsequenz von dem 23. Zug von Weiß, dass Schwarz letztendlich einen konstruktiven Plan hat. Der nächste weiße Zug wird jedoch zeigen, dass dies nur teilweise so ist.

25.Sd4 Kf7

Natürlich nicht 25...Ke7?? 26.Sc6+ +-

26.a4

Öffnet eine weitere Linie am Damenflügel.

26...bxa4 27.bxa4 Lc5

Ugrinovic gibt diesem Zug die Schuld an den weiteren Problemen von Schwarz. Er empfiehlt 27...a5, weil dann die b-Linie geschlossen bleibt. Der Zug würde jedoch einen Bauern auf ein schwarzes Feld stellen, was schlecht wäre, wenn viele Vereinfachungen folgen. Nebenbei, wie Neishtadt anmerkt, mit 28.Sb5 wird Weiß auf jeden Fall vorankommen. Zuerst einmal droht Td7, während nach 28...Ke7 29.Sc7 Tab8 [29...Ta7? 30.Sd5+! +-] 30.Tc6 die Schwäche der 7. Reihe sich als entscheidend erweisen wird.

28.Tc4 La3

28...Lxd4 29.Tcxd4 Te8 30.Tb4 ± Ugrinovic – der Druck von Weiß auf den offenen Linien sowie die Schäche von e6 und vor allem a6 machen die Stellung von Schwarz schwierig.

29.Txc8 Txc8 30.Tb1

Deshalb ist die gerade geöffnete b-Linie vorteilhaft für Weiß.

30...Tc4

Auf 30...Tc7 folgt 31.Tb8 Ugrinovic

31.Tb7+ Le7 32.Ta7!

In der nächsten Spielphase wird Weiß einige taktische Tricks haben, die seine gesamte Strategie krönen werden.

32...e5 33.fxe5 fxe5 34.Sf3 Txa4 35.Sxe5+ Kf6 36.Sc6 Lc5 37.Txh7 Ta2 38.Kf3 a5

Ob der a-Bauer gefährlich ist?

39.h4

Ein sehr genauer Zug mit einer Idee, die einen Zug später klar wird.

39...a4 40.Ke4!

Die Kontrolle des Feldes g5 war wichtig, um diesen Zug zu ermöglichen. Der f-Bauer ist nicht zu schlagen, weil Sd8 gefährlich mit Matt droht.

40...Lf8

Schwarz hat zugelassen, dass der Turm das Feld a7 besetzt. Die Alternativen waren:
40...Txf2 41.Sd8 g5 (einziger Zug) 42.Tf7+ Kg6 43.Txf2 +-
40...a3 41.Sd8 g5 42.h5 g4 43.Tf7+ Kg5 44.Se6+ Kxh5 45.Sxc5 +-

41.Ta7

Nach 41.f4 könnte Schwarz mit 41...Lg7! noch einmal Hoffnung schöpfen.

41...Ld6 42.f4 Th2 43.Ta6 Kf7 44.Se5+ Lxe5 45.Kxe5 Kg7 46.Ta7+ Kh6 47.Txa4 Txh4 48.Kf6 Th5 49.e4 Th4 50.e5 Th5 51.e6 Tf5+ 52.Ke7 Kg7 53.Kd6 Tf8 54.Ta7+ Kf6 55.Td7 1-0

Kommentar: Mihail Marin