Damengambit - D58

Kortschnoj, Viktor - 2695
Karpov, Anatoly - 2700

Meran WM 1981 Runde 9

 

1.c4 e6 2.Sc3 d5 3.d4 Le7 4.Sf3 Sf6 5.Lg5 h6

Der Läufer wird von der Diagonale c1-h6 vertrieben.

6.Lh4 0-0 7.Tc1 dxc4 8.e3 c5 9.Lxc4 cxd4 10.exd4 Sc6 11.0-0

Wir haben eine Standardstellung mit einem weißen Damenisolani auf dem Brett. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde an dieser Stelle Sc6-b4-d5 gespielt, um das Blockadefeld zu besetzen. Karpov hatte jedoch eine verblüffende Neuerung vorbereitet.

11...Sh5!

Eine wichtige theoretische Neuerung des Weltmeisters. In diesem Fall ist der Abtausch der schwarzfeldrigen Läufer gut für Schwarz.

12.Lxe7 Sxe7 13.Lb3

Unternehmungslustiger ist gewiss 13.Sf3-e5 oder 13.Tf1-e1. Natürlich ist die Stellung nach 13.d5 exd5 14.Sxd5 Sxd5 15.Lxd5 Sf4 16.Le4 Dxd1 17.Tfxd1 völlig ausgeglichen, was man als Weißspieler in dieser Partiephase jedoch nicht anstrebt.

13...Sf6 14.Se5 Ld7

Außerordentlich vorsichtig gespielt. 14...b6 würde Felderschwächen hervorrufen und 15.Df3 ermöglichen.

15.De2 Tc8 16.Se4?

"Weiß ist noch nicht auf einen vernünftigen Plan gekommen und lässt außer acht, dass jeder Tausch von Leichtfiguren den Damenisolani potenziell schwächt," sagte Karpov später. Nahe liegend ist Tfd1. Jetzt wird der Damenbauer langsam aber sicher zum Sorgenkind.

16...Sxe4 17.Dxe4 Lc6 18.Sxc6? Txc6 19.Tc3

Erteilen wir nochmal Karpov das Wort: "Schwarz braucht nach 19.Txc6 bxc6 keine Angst zu haben nun selbst mit einem isolierten Bauern leben zu müssen. Sein Springer ist nicht nur in der Lage den c-Bauern sicher zu verteidigen, er kann auch den gegnerischen Isolani angreifen. Die Möglichkeiten des weißen Läufers sind jedoch beschränkt."

19...Dd6 20.g3

Damit verstellt Weiß die 3. Reihe, was einen Angriff am Königsflügel unmöglich macht.

20...Td8 21.Td1 Tb6! 22.De1

Kortschnoj sieht sich in die Defensive gedrängt, was im wesentlichen daran liegt, dass seine Stellung jegliche Dynamik eingebüßt hat. Nach 22.Lc2 g6 hätte Weiß nun nur Sorgen mit dem Bauern b2.

22...Dd7 23.Tcd3 Td6 24.De4 Dc6 25.Df4

Oder 25.Dxc6 Sxc6 26.d5 Sb4 mit Bauerngewinn.

25...Sd5 26.Dd2 Db6

Ganz offenkundig ist das Gesetz des Handelns auf Schwarz übergegangen. Erschwerend kommt die drängende Zeitnot hinzu.

27.Lxd5?

Richtig ist zweifellos 27.a3 um einfach auszuharren.

27...Txd5 28.Tb3 Dc6 29.Dc3 Dd7 30.f4?

Ein positionell schauriger Bauernzug. Er schafft nicht nur eine Reihe zusätzlicher Felderschwächen im Zentrum (e3 und e4), sondern legt die 2. Reihe völlig bloß und ist der Sicherheit des weißen Königs absolut abträglich.

30...b6 31.Tb4 b5 32.a4 bxa4 33.Da3 a5! 34.Txa4 Db5!

Die Dezimierung der Bauern am Damenflügel ist zwar grundsätzlich ein Fortschritt, er wurde aber nur durch eine erhebliche Verschlechterung der Figurenstellung erkauft.

35.Td2 e5! 36.fxe5 Txe5 37.Da1

Zäher war wohl 37.Tf2 Te1+ 38.Kg2 Dc6+ 39.d5 Dxd5+ 40.Df3

37...De8

Wegen der Drohung Te5-e1+ muss der Turm e5 nun doch genommen werden, wonach dem anderen Turm der entscheidende Einbruch auf die 2. Reihe gelingt.

38.dxe5 Txd2 39.Txa5

Rettet genausowenig wie jeder andere Zug, z.B. 39.De1 Dd7 40.e6 fxe6 41.De4 Txb2

39...Dc6 40.Ta8+ Kh7 41.Db1+ g6 42.Df1 Dc5+

Natürlich nicht 42...Dxa8? 43.Dxf7+ mit Dauerschach.

43.Kh1 Dd5+ 0-1

Weiß gab auf, da er nach dem unvermeidlichen Td1 die Dame verliert.

Kommentar: Reinhold Ripperger