Skandinavisch - Bo1

Guyot, Philippe (2290)
Goldenberg, Richard (2330)

Belfort 1987

 

Es gibt da eine hübsche Auffälligkeit zu dieser Partie. Die schwarze Seite vertritt Richard Goldenberg, ein starker Fernschachspieler. Er spielte neben vielen starken Fernschachturnieren auch in dem Bergraser Memorial 1989-93. Wie schon in der Einleitung erwähnt, war Bergraser ein großer Verfechter von 2.Sf6 in der skandinavischen Verteidigung - besonders mit einem Lc8-g4 Aufbau. Genauso wie in dieser Partie gespielt wurde ...

1.e4 d5 2.exd5 Sf6 3.d4 Sxd5 4.Sf3

Natürlich hätte die Zugfolge ebenso 4.c4 Sb6 5.Sf3 Lg4 sein können.

4...Lg4 5.c4 Sb6 6.c5 S6d7 7.Lc4 e6 8.Le3 Sc6 9.Sc3 Le7 10.h3 Lh5

Lange Zeit galt dies als eine sehr riskante Fortsetzung. Weiß bekommt die Möglichkeit auf beiden Seiten Raum zu gewinnen. Aber eben doch auf Kosten einer Lockerung der Stellung und mit größerer Schwierigkeit, einen sicheren Platz für seinen König zu finden. Die Alternative ist 10...Lxf3!? 11.Dxf3 0-0

11.a3 e5

Schwarz versucht es mit Gegenspiel, bevor die weiße Initiative zu bedrohlich wird.

12.d5 Sd4

Sehr interessant gespielt. Dennoch hat Schwarz eine andere, sehr gute Alternative: 12...Lxf3 13.Dxf3 Sd4 wie z.B. in Sorri-Goldenberg, corr Bergraser Memorial 1989-1993 gespielt.

13.g4

Da ist der Grund warum der Einschub h2-h3 und Bg4-h5 so einen großen Unterschied ausmachen. Müsste Weiß in diesem Moment noch h2-h3 spielen, dann würde Schwarz natürlich jetzt Lg4xf3 spielen können.

13...Sxf3+ 14.Dxf3 Lg6 15.b4 e4!

15...0-0 wurde in R.Byrne-Rogoff, USA-ch 1978 gespielt. Diese Partie war für viele Jahre einer der Hauptursachen, dass 5...Lg4 nicht sehr populär war. In dieser Partie geschah weiter: 16.Td1 e4 17.Df4 Te8 18.Sb5! Tc8 19.d6 cxd6 20.Sxd6 Lxd6 21.Txd6 mit klarem Vorteil für Weiß.

16.Dd1

16.Df4 von Byrne gespielt 16...Lf6 17.Tc1 Le5 und die weiße Dame ist schlecht platziert.

16...0-0

Weiß hat eigentlich schon große Probleme mit seinem König. Wenn er nun mit seinem Raumvorteil nicht konkrete Drohungen aufstellen kann, ist er schlecht dran. Und wie sollte er das auch bewerkstelligen? Die schwarze Stellung hat keine Schwächen.

17.Db3 a5!

Es wird Weiß nicht gestattet, für seinen König am Damenflügel einen sicheren Hafen zu finden.

18.Td1 axb4 19.axb4 Se5

Schwarz ist bereit den weißen König mit Kg8-h8 und f7-f5 oder Le7-g5 anzugreifen. Er hat es nicht unbedingt eilig, da er alle Trümpfe besitzt - einschließlich der offenen a-Linie.

20.d6

Angriff ist manchmal die beste Verteidigung. Das trifft besonders dann zu, wenn es ein Angriffsziel gibt. Das ist hier nicht der Fall.

20...cxd6 21.Ld5 dxc5 22.Sxe4 c4! 23.Lxc4 Lxe4 24.Txd8 Tfxd8

Eine Traumstellung für Schwarz. Er hat zwei starke Drohungen (Ta1+ und Lxh1) sowie fantastisches Figurenspiel - inmitten dessen sich der weiße König recht einsam fühlen muss ...

25.f3 Lh4+ 26.Lf2 Ta1+ 27.Ke2 Lxf3+ 28.Dxf3 Td2+ 29.Kxd2 Sxf3+ 0-1

Eine eindrucksvolle Partie.

Kommentar: Curt Hansen