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Diagramm 20-2006
 
Diagramm 20 – 2006
Die Stellung sieht auf den ersten Blick harmlos aus. Aber Schwarz am Zuge fand eine hübsche Kombination und stellte die Weichen auf Sieg.
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Was bedeutet eigentlich - Winboard?
von Peter Schreiner - April 2000
 
 
Tim MannDie Berichterstattung über das Computerschach setzt bestimmte Kenntnisse über Fachinterna voraus, mit der Neueinsteiger oft überfordert sind. In den kommenden RE-Ausgaben werden wir immer wieder bestimmte Themen, die zur Zeit im Computerschach eine wichtige Rolle spielen, aufgreifen. Es handelt sich vor allem um den Versuch, den zahlreichen Neueinsteigern und Nichtfreaks eine konkrete Vorstellung über bestimmte Themen zu vermitteln. Dieser Artikel beschäftigt sich mit der rasanten Entwicklung der als Freeware erhältlichen Oberfläche Winboard von Dr. Tim Mann (siehe Bild), den darunter laufenden Schachprogrammen (= Winboard-Engines) und erklärt die elementaren Grundlagen des Systems.
 
 
Funktion des Winboard
Bewußt habe habe ich das Winboard zum ersten Mal beim Aegon Turnier 1996 in Den Haag wahrgenommen. Zu dieser Zeit war das Angebot an Windows-Schachprogrammen noch sehr spärlich. Mir fiel bei diesem Turnier auf, dass etliche Schachprogrammierer mit der gleichen Benutzeroberfläche spielten. Auf Nachfrage kam dann heraus, dass dieses Interface via Internet frei verfügbar war und jedem interessierten Autoren zur Verfügung stand.
 
Die Grundidee des Systems ist klar: viele Schachprogrammierer sind Amateure und haben neben dem eigentlichen Hauptberuf sehr wenig Zeit, noch eine eigene Benutzeroberfläche mit grafischem Schachbrett, Dateiverwaltung usw. zu entwickeln. Dass dieses Konzept einmal so erfolgreich sein würde, war zum damaligen Zeitpunkt nicht abzusehen und hat mich selbst ein wenig überrascht. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Schachengines, die unter dem Interface des Winboards laufen und bis auf eine Ausnahme (Nimzo2000) eine für viele Anwender besonders attraktive Eigenschaft aufweisen: sowohl das Winboard und die Schachengines (= Winboard-Eninges) der unterschiedlichen Autoren sind kostenlos. Man muss also für die Nutzung dieser Software nichts bezahlen, lediglich für den Download aus dem Internet fallen Kosten an.
 
Damit wären wir auch schon bei den Bezugsquellen für das Winboard und die Engines. Das Winboard steht z.B. auf der Homepage von Tim Mann zum Download bereit. Für den Einsteiger ist die aus meiner Sicht empfehlenswerteste Adresse im Netz die Übersichtsseite von Frank Quisinsky. Hier finden Sie eine akkurate Aufstellung der momentan verfügbaren Engines inkl. Informationen und Links zu den Bezugsquellen des jeweiligen Programms. Das Winboard dient nicht nur als Interface zur Einbindung von Schachprogrammen, sondern kann auch als Schnittstelle zum Spielen auf Schachservern eingesetzt werden. Das ist aber ein anderes Thema.
 
Das Winboard stellt also eine universelle Benutzerschnittstelle zum Einbinden von weit über dreissig Schachengines (es werden immer mehr!) dar und kann zum spielen auf Schachservern im Internet eingesetzt werden.
 
 
Systemvoraussetzungen und Installation
Das Winboard gehört nicht zu den gefürchteten Ressourcenfressern und kann auch auf älterer Hardware, z.B. 486ern mit relativ wenig Speicher, ohne Probleme eingesetzt werden. Da die Spielstärke eines Schachprogramms natürlich stark von der eingesetzten Hardware abhängig ist, empfiehlt es sich natürlich, einen möglichst schnellen Rechner der aktuellen Hardwaregeneration für eine gute Performance einzusetzen. Das Winboard gibt es in Versionen für UNIX und natürlich auch für Windows. Auf den meisten Rechnern dürfte eine Version des Microsoft-Betriebssystems installiert sein und Winboard läuft ohne Probleme unter Win95/98 oder NT + Win2000.
 
Die Installationsroutine ist vorbildlich. Nach dem Download von Winboard werden Sie feststellen, dass sämtliche Programmdateien in gepackter Form in einer einzigen Datei mit der Endung *.EXE vorliegt. Per Doppelklick wird die Installation gestartet. Sie müssen in dem Auswahldialog lediglich den Verzeichnispfad vorgeben, falls Sie mit dem voreingestellten Grundwert nicht einverstanden sind. Bei der Installation können Sie noch festlegen, ob die Dateitypen PGN/EPD mit dem Programm verknüpft werden sollen.
 
Dies hat den Vorteil, dass wenn Sie z.B. auf eine PGN-Datei doppelklicken, automatisch das Winboard mit der entsprechenden PGN-Datei geladen wird. Falls Sie jedoch andere Schachsoftware installiert haben, die besser als das Winboard mit PGN umgehen kann, wie z.B. die Datenbankprogramme ChessBase oder Chess Assistant, dann sollten Sie die Verknüpfung nicht anlegen.
 
Sie können Winboard unbedenklich auf ihrem Computer installieren. Wir konnten jedenfalls noch nie irgendwelche von der Software verursachten Probleme entdecken. Falls Sie das Programm wider Erwarten von ihrem Computer entfernen möchten, können Sie dies unproblematisch mit der mitgelieferten Deinstallationsroutine vornehmen, die das Programm rückstandslos aus einer Windows Installation entfernt.
 
 
Einige Ausstattungsmerkmale
Unter der grafischen Oberfläche können Sie komfortabel Züge eingeben. Das Interface bietet neben der übersichtlichen Grafik einigen Komfort wie z.B. unterschiedlichen Brettgrössen, benutzerdefinierte Farbeinstellungen oder unterschiedliche Tonsignale. Unter dem schachlichen Aspekt, kann man das Winboard mehr oder weniger sinnvoll einsetzen:
  1. Sie können gegen eine der zahlreichen Winboard-Engines mit unterschiedlichen Zeiteinstellungen direkt spielen;
  2. Sie können zwei Winboard-Engines gegeneinander spielen lassen, sogenannte Enginematches ausspielen;
  3. Sie können Partien, die im PGN-Format gespeichert sind oder Schachpositionen im EPD-Format nachspielen und mit Hilfe einer Winboard-Engine analysieren.
Das Programm unterstützt bei der Dateiverwaltung mit PGN und EPD die wichtigsten Standards; einem Datenaustausch mit anderen Schachprogrammen steht damit nichts entgegen ...
 
Wir halten fest: unter dem Winboard kann man gegen eine Engine spielen, Enginematches austragen oder mit Hilfe einer Engine Stellungen analysieren. Bei Interesse sollten Sie beachten, dass die Benutzerführung und die Dokumentation des Winboards auschliesslich in englischer Sprache vorliegt.
 
 
Winboard-Engines
Zur Zeit gibt es eine Vielzahl von Winboard-Engines mit mehr oder weniger gutem Spielniveau. Das Winboard wird vor allem deshalb von vielen Amateurprogrammierern aktiv und kostenlos unterstützt, weil durch den hohen Verbreitungsgrad mit einem entsprechenden Feedback von Seiten der Anwender zu rechnen ist.
 
Wir können an dieser Stelle aus Platzgründen nicht alle Programme und deren Autoren vorstellen; alleine die Vorstellung sämtlicher Winboard-Engines würde für einen eigenen Artikel völlig ausreichen. Engines wie Crafty von dem amerikanischen Computerschachpionier Robert Hyatt, Comet von Dr. Ulrich Türke, Phalanx von Dusan Dobes usw. verfügen alle über bemerkenswerte schachliche Fähigkeiten, die für die meisten Leser völlig ausreichend sein dürften.
 
Ich verweise noch einmal auf die Übersichtsseite von Frank Quisinsky. Dort finden Sie eine ständig aktualisierte Übersicht der Winboard-Engines mit den Angaben zu den Autoren und den Bezugsquellen. Nach der Installation können Sie direkt gegen eine Winboard-Engine, das mitgelieferte GnuChess, loslegen.
 
 
Einbindung der Winboard-Engines
Kommen wir jetzt zu der aus Sicht vieler Anwender Schattenseite des Winboard, nämlich der Anbindung von Winboard-Engines unter der Benutzerschnittstelle. Nachdem Sie eine Engine, die meistens in gepackter Form als Zip-Archiv vorliegen, runtergeladen und entpackt haben, ist dringend das Studium der beiliegenden Textdateien geboten. In der Regel finden Sie dort zahlreiche Hinweise des Autoren zur Einbindung und Konfiguration der Engine unter dem Winboard. Vergessen Sie auch nicht, nach dem Motto "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser" die Inhalte mit einem aktuellen Virenscanner zu prüfen.
 
Sämtliche Einstellungen und Anpassungen der Winboard-Engines werden über die Datei Winboard.Ini vorgenommen. Einige Engines benötigen zusätzlich noch eine eigene Konfigurationsdatei. Prinzipiell sollten Sie also wissen, wie man eine Datei mit der Endung *.ini mit einem Texteditor öffnet und bearbeitet. Die Datei Winboard.Ini steht im Installationsverzeichnis von Winboard und wird nach dem ersten Programmstart automatisch angelegt.
 
Bevor Sie nun beginnen, die Datei zu editieren, sollten Sie eine Sicherungskopie der mit den Grundwerten erzeugten Winboard.Ini anlegen. Innerhalb der Winboard.Ini gibt es zwei Abschitte, in denen die Engines vom Anwender bei Winboard "anzumelden" sind. Im Abschnitt First Chess Program werden die Engines eingetragen, die später als erste Engine gestartet werden. Im zweiten Abschnitt Second Chess Program sind die Schachengines einzutragen, die als zweite Schachengine gestartet werden können. Nachfolgend zur Demonstration ein vereinfachter Ausschnitt aus der Datei Winboard.Ini:
/firstChessProgramNames="Comet99 /fd=d:\\winboard\\comet
Gnuchess
\"phalanx\" /fd=d:\\winboard\\phalanx
\"wbnimzo2000b\" /fd=d:\\winboard\\wbnimzo2000
"
/secondChessProgramNames="Comet99 /sd=d:\\winboard\\comet
GnuChess
\"phalanx\" /sd=d:\\winboard\\phalanx
\"wbnimzo2000b\" /sd=d:\\winboard\\wbnimzo2000
"
 
Unser Ausschnitt ist stark verkürzt worden und enthält zwecks besserer Übersicht nur Einträge für die zwei Winboard-Engines Phalanx und Nimzo2000. Das Prinzip für die Einbindung einer Engine bleibt aber gleich. Jedes Programm wird in der Textdatei zweimal aufgelistet, um zwischen den Engines Vergleichspartien austragen zu können. Für jede Winboard-Engine muss also eine Zeile angelegt werden, die mit dem Zeichen \ gefolgt von dem Namen der Exe-Datei (=Programmname) beginnt. Über den Eintrag /fd= geben Sie dem Winboard die Information, wo die betreffende Engine installiert ist. In unserem obigen Beispiel befindet sich z.B. die WB-Engine WBNimzo2000 in dem Verzeichnispfad D:\WINBOARD\. Im Unterschied zu den Pfadangaben unter Windows muss der Pfad einem einem doppelten Backslash \\ angegeben werden.
 
Achten Sie darauf, dass die Einträge zweimal vorzunehmen sind. Anhand des oben abgebildeten Musters sehen Sie, dass die Einträge doppelt vorhanden sind. Unterschiedlich ist lediglich der vorangestellte Parameter fd oder sd. Falls Sie von der Beschreibung abgeschreckt worden sein sollten (ist doch viel zu kompliziert ...), jetzt die gute Nachricht: auf der bereits erwähnten Site von Frank Quisinsky stehen Beispieldateien zum Download bereit, die Sie (falls abweichendes Verzeichnis) lediglich in den Pfadangaben modifizieren müssen. Ein toller Service!
 
 
Start des Winboards
Nachdem das Winboard installiert und die Engines eingebunden wurden, können Sie eine Partie starten. Benutzen Sie dazu den Schalter Winboard Startup. Wählen Sie die Option Play against a chess engine or match two engines und suchen Sie sich aus der Liste der Programme den gewünschten Gegner heraus. Es besteht die Möglichkeit, die wichtigsten Einstellungen für die Partie mit ihrem elektronischen Opponenten festzulegen. Sie können die Bedenkzeiten auswählen, das Verhalten der Engine in Grenzen steuern, Bewertungsanzeigen ein - oder ausblenden usw.
 
Um regulär gegen die Winboard-Engine zu spielen oder zu analysieren, sind diese Funktionen sicher ausreichend. Wenn Sie Enginematches unter dem Winboard austragen möchten, müssen mindestens zwei Winboard-Engines korrekt im System eingebunden sein. Für den Einstieg reicht es erst einmal aus, dass man im Startup die verschedenen Engines auswählt. Im Dialogfenster Winboard Startup befindet sich in als letzer Eintrag noch die Eingabezeile Additional options. Hier können Sie z.B. festlegen, wieviele Partien die Engines gegeneinander austragen sollen, ob die Farben getauscht werden, Partienprotokolle erzeugt werden usw.
 
Viele der Winboard-Engines nutzen HashTables und können auf die TableBases von Nalimov zugreifen. Beispiele für die Konfiguration und Anpassung der Parameter finden Sie ebenfalls auf der bereits mehrfach erwähnten Site von Frank Quisinsky. Wir halten fest: eine Winboard-Engine muss korrekt unter dem Winboard eingebunden werden. Die "Anmeldung" der jeweilgen Winboard-Engines wird mit einem Texteditor über die Textdatei Winboard.Ini vorgenommen. Manche Winboard-Engines benötigen zusätzlich eine eigene Konfigurationsdatei. Hinweise zur Konfiguration befinden sich in den Dokumentationen der Autoren.
 
 
Fazit
Winboard stellt in Verbindung mit den verfügbaren Engines eine interessante Alternative zu den kommerziellen Programmen dar. Naturgemäss fällt das Interface von der Ausstattung und dem Funktionsumfang, z.B. den Datenbankfunktionen, gegenüber den kommerziellen Programmen etwas ab und die Anbindung der unterschiedlichen Winboard-Engines ist sicher nicht ganz trivial. Andererseits kann man mit dem System ganz hervorragend analysieren und hat auf Anhieb eine Vielzahl von elektronischen "Sekundanten" verfügbar.
 
Einige kommerzielle Anbieter haben die Bedeutung des Systems erkannt und bieten mehr oder weniger gelungene Schnittstellen zur Anbindung der Winboard-Engines an. Nach meinen Erfahrungen ist der Einsatz der WB-Engines unter dem Original bei weitem vorzuziehen. Mittlerweile gibt es im Netz etliche Sites, die sich ausschliesslich mit dem Thema Winboard und den Winboard-Engines befassen.
 
Unter www.amateurschach.de finden Einsteiger auf der Site von Frank Quisinsky nicht nur umfassende Informationen zum Thema Winboard, sondern alle relevanten Links, Turnierergebnisse, Konfigurationsdateien und letztendlich eine präzise Anleitung, wie die Winboard-Engines auch unter den kommerziellen Oberflächen unterschiedlicher Anbieter eingebunden werden können. Im Diskussionsforum, das sich ausschliesslich mit dem Thema Winboard beschäftigt, finden Sie Unterstützung und Hilfe bei eventuellen Problemen.
 
 
Nachschlag - September 2000
Seit kurzem ist eine im Funktionsumfang erweiterte Version des Winboards mit dem Zusatz "Plus" im Umlauf, die von Mark Williams entwickelt wurde. Einige Features sind z.B. eine bessere Bedienung durch Dialogboxen, welche die Untermenüs ersetzen, Unterstützung der Zwischenablage für PGN/EPD für den Datenaustausch usw. Bei Interesse können Sie sich diese Version downloaden z.B. unter www.research.digital.com/SRC/personal/mann/xboard.html
 
Peter Schreiner
 
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