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Diagramm 20-2006
 
Diagramm 20 – 2006
Die Stellung sieht auf den ersten Blick harmlos aus. Aber Schwarz am Zuge fand eine hübsche Kombination und stellte die Weichen auf Sieg.
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Das Dateiformat EPD
von Peter Schreiner - Juli 2000
 
 
Wer sich schon etwas länger mit Computerschach beschäftigt, wird sich bestimmt noch an ein echtes Ärgernis aus den Anfängen des PC-Schachs erinnern: jedes Schachprogramm kam mit einem hauseigenen Datenformat, das natürlich zu anderen Programmen so gut wie nie kompatibel war. Es fehlte einfach ein Standard zur Speicherung von Partien und Positionen. Mittlerweile hat sich die Situation grundlegend geändert. Es gibt zwar immer noch diverse unterschiedliche Datenformate, aber deren Anzahl ist überschaubar geworden. Viele Anwender werden häufig mit den Datenformaten CBF und CBH von ChessBase zu tun haben, wobei sich das erstgenannte, 1988 entwickelte CBF-Format mittlerweile als ein Quasistandard etabliert hat, denn es wird von einer Vielzahl von Schachprogrammen unterstützt.
 
Ein grundsätzliches Problem für die Schachprogrammierer ist aber, dass die Datenformate und die Struktur der internen Datenformate von kommerzieller Schachsoftware in der Regel nicht dokumentiert oder frei zugänglich sind. Aus diesen Überlegungen heraus haben sich im Computerschach Datenformate entwickelt, die auf einem reinem Ascii-Text basieren und mit deren Hilfe man sowohl Schachpartien als auch Schachstellungen abspeichern kann.
 
Standard zur Speicherung von kompletten Partien (Notationen) ist das PGN-Format. Innerhalb von PGN-Dateien, die mit jedem beliebigen Texteditor gelesen und auch bearbeitet werden können, kann man nicht nur eine singuläre Partie, sondern mehrere Partien in einer Datei abspeichern.
 
 
Das EPD-Format
Im Gegensatz zu PGN ist vielen Anwendern das EPD-Format, das ebenfalls auf Ascii (reinem Text) basiert und zur Speicherung von Schachpositionen sehr gut geeignet ist. weniger geläufig. Neben einer relativ problemlosen Anbindung dieser (gut dokumentierten!) Formate an ein Schachprogramm, bieten sowohl PGN als auch EPD gerade im Zeitalter des Internets einige Vorzüge, die wir im folgenden Text aufzeigen wollen.
 
Betrachten wir uns zunächst einmal einen Eintrag aus einer EPD-Datei, die durchaus auch mehrere dieser Einträge (Strings) enthalten kann:
 
rn1qr1k1/1p2bppp/p3p3/3pP3/
P2P1B2/2RB1Q1P/1P3PP1/R5K1
w - - bm bxh7;

 
Das sieht zunächst für den Anwender recht kryptisch aus, ein Programm mit einer Schnittstelle zum EPD-Format interpretiert diese Textzeile als die Diagrammstellung.
 
Wie wollen und können an dieser Stelle keine komplette Beschreibung des EPD-Standards geben. Bei Interesse können Sie das Dokument mit der Dokumentation des EPD-Standards hier als zip-Datei downloaden. Zum besseren Verständnis folgende Hinweise:
  1. Jede Stellungsdefinition innerhalb einer EPD-Datei steht in einer eigenen Zeile.
  2. Das Schachbrett wird von links oben nach rechts unten dargestellt.
  3. Die Reihen des Brettes werden immer durch einen Schrägstrich getrennt.
  4. Grundsätzlich werden die englischen Figurenbezeichnungen (KQRBNP) benutzt.
  5. Die weißen Figuren werden durch große Buchstaben, die schwarzen Steine durch kleine Buchstaben auf dem Brett repräsentiert.
  6. Leere Felder, bzw. die Anzahl der leeren Felder wird innerhalb von EPD mit einer Zahl gekennzeichnet.
  7. Nachdem die Brettposition definiert wurde, kommt ein Leerzeichen und dann noch die Kennung für das Zugrecht der jeweiligen Stellung. "W" steht für Weiß am Zug, "B" für Schwarz. Jetzt müssen noch die Rochaderechte definiert werden.
  8. "K" steht für die kurze weiße Rochade, "Q" für die lange weiße Rochade während für die Festlegung der schwarzen Rochaderechte mit den gleichen Buchstaben erfolgt, nur werden diese zur Unterscheidung kleingeschrieben.
So weit ist alles noch recht gut verständlich. Es muss jetzt bei EPD noch eine eventuelle EnPassant-Möglichkeit berücksichtig und definiert werden. Dazu folgt nach einem weiteren Leerzeichen die Eingabe der potentiell möglichen EnPassant-Züge. Wir wollen es nicht zu technisch werden lassen. Der EPD-Standard ist sehr gut kommentiert und die entsprechende Textdatei ist z.B. im Lieferumfang des Freeware-Tools EPD2Diag enthalten.
 
Als Anwender sollten Sie sich merken, dass EPD reine Textdateien sind, die Stellungsbeschreibungen (Positionen) enthalten. Mehr brauchen wir für einen sinnvollen Einsatz des EPD-Formates (vor)erst einmal nicht zu wissen. Was kann man nun mit dem EPD-Format anfangen? Falls Sie sich häufig im Internet tummeln und dort Schachforen oder schachbezogene Webseiten besuchen, werden Sie z.B. recht häufig mit dem EPD-Format konfrontiert.
 
Verdeutlichen wir das einfach einmal an einem praktischen Beispiel. In der Rubrik News finden Sie auf der Website der Firma Millennium 2000 einen kurzen Bericht über das IPCC-Turnier 2000 in Paderborn, das von Shredder gewonnen wurde. Neben Text und Partienotation ist auch die nebenstehende Stellung wiedergegeben, in der Shredder eine besonders schöne Kombination anbringen konnte.
 
Sie möchten nun die Stellung mit anderen Schachprogrammen ausprobieren. Dazu ist es nicht notwendig, die Stellung im Schachprogramm noch einmal neu einzugeben. Schauen wir auf der Millennium-Seite einmal genauer hin, entdecken wir unter dem Diagramm ein Element, das uns aufgrund der vorherigen Beschreibung bereits vertraut ist, eine Eingabezeile im EPD-Format, die exakt die Stellungsbeschreibung des abgebildeten Schachdiagramms enthält:
 
r1br2k1/ppp2q1p/nb3p2/6p1/2PN1B2/2P2B2/P1Q2PPP/3RR1K1 w - g6 bm nc6!;
 
Wie können wir diesen EPD-String jetzt zur Analyse mit anderen Programmen einsetzen? Die Lösung ist einfach: markieren Sie die Asciibeschreibung mit der Maus und übernehmen diese mit der Tastenkombination Strg-C in die Zwischenablage. Wie können wir diese Information jetzt mit anderen Schachprogrammen nutzen? Dazu gibt es je nach Programm mehrere Möglichkeiten, zuerst einmal zwei elementare Funktionen:
 
1.) Starten Sie einen beliebigen Texteditor, z.B. das im Lieferumfang von Windows enthaltene Notepad. Wählen Sie dort aus dem Menü BEARBEITEN den Befehl EINFÜGEN. Schwupps und schon haben Sie den EPD-String in die Textverarbeitung übernommen. Speichern Sie jetzt den EPD-String auf der Festplatte. Achten Sie darauf, dass Sie bei der Vergabe des Suffix (Dateiendung) die Bezeichnung *.EPD eingeben. Diese EPD-Datei kann jetzt von jedem Schachprogramm gelesen werden, das mit diesem Format umgehen kann!
 
2.) Eine weitere Möglichkeit bietet die Zwischenablage mit der Möglichkeit, Daten direkt ohne Umweg über eine Dateispeicherung auszutauschen. Etliche Schachprogramme, wie z.B. Shredder oder Fritz unterstützen diesen Windows-Standard und man kann rasch die Daten übernehmen. Dieses Verfahren und andere Optionen der wichtigen Schachprogramme werden wir noch im weiteren Text präziser vorstellen.
 
Falls Sie nicht wissen, was die Zwischenablage ist und wie man diese effektiv einsetzt, einige Ausführungen dazu. Auch auf die Gefahr hin, fortgeschrittene User zu langweilen, möchten wir das Verfahren zumindest andeutungsweise beschreiben. Eine elementare Funktion unter Windows ist das wechselseitige Verfahren Kopieren + Einfügen. Standard sind unter Windows die Tastenkombinationen Strg-C (Kopieren) und Strg-V (Einfügen). Mit der Tastenkombination Strg-C kopieren Sie ein markiertes Objekt - dies kann Text, Grafik oder eben auch unser EPD-String sein - in einen reservierten Bereich im Arbeitsspeicher, die Zwischenablage. Mit der Tastenkombination Strg-V fügen Sie das zuvor kopierte Objekt aus der Zwischenablage in eine beliebige Anwendung ein. Diese Technik wird von allen guten Windows-Programmen, z.B. Textverarbeitungen, Grafikprogrammen und einigen Schachprogrammen, unterstützt.
 
Innerhalb des EPD-Formates gibt es sogar noch die Möglichkeit, Kommentare einzufügen. Betrachten wir uns den EPD-String vom letzten Beispiel, insbesondere den letzten Eintrag, etwas genauer. Dort steht am Ende der Zeile "bm nc6". Das Kürzel "bm" steht für best move und gibt damit den richtigen (oder vermeintlich richtigen) Lösungszug in der angegebenen Position an. "N" steht in englischer Kurznotation für Springer, der optimale Zug in der oben angegebenen Stellung ist also Sc6! Einige Programme, wie z.B. Rebel oder Shredder berücksichtigen beim automatischen Analysieren eines oder mehrerer EPD-Strings diesen Kommentar und geben im Logfile direkt an, ob die im Kommentar angegebene Lösung gefunden wurde oder nicht!
 
Schauen wir uns einmal an, wie die bekanntesten kommerziellen Programme mit dem EPD-Format umgehen und welche Optionen geboten werden.
 
 
Fritz 5.32/6.0 bzw. ChessBase 7.0
Die neueren Fritz-Versionen können sehr wohl mit dem EPD-Format umgehen. Darauf haben wir bereits mehrfach, z.B. bei den Besprechungen von ChessBase 7.0 und Fritz 5.32/6.0, hingewiesen. Die Unterstützung von EPD ist allerdings subtil in den Tiefen des Programms versteckt, so sucht man z.B. innerhalb des Dateiauswahlmodus der Datenbank vergeblich nach einem Support für EPD-Dateien.
 
Fündig wird man mit einem Rechtsklick der Maus auf die Partienliste im Datenbankmodus. Über die Option EPD-Stellung importieren kann man beliebig große EPD-Dateien zur Analyse importieren und in das hauseigene CBH-Format konvertieren. Der Import ist also gut gelöst, dafür weist Fritz ein echtes Manko auf, wenn man mehrere Stellungen, z.B. eine Datenbank mit Positionen, in das EPD-Format exportieren will. Dies ist in einem Aufwasch nicht möglich und der Export funktioniert nur mit folgender Methode:
 
Nehmen wir an, Sie haben mit Fritz oder ChessBase eine interessante Stellung analysiert. Diese möchten Sie jetzt mit einem anderen Schachprogramm analysieren oder den EPD-String in eine Email einfügen. Wechseln Sie mit einem Druck auf die Taste "S" in die Stellungseingabe, bei ChessBase 7.0 drücken Sie Strg-Shift-S. Das Dialogfenster Stellung aufbauen wird mit der aktuellen Brettstellung eingeblendet.
 
Für unser Thema ist der unscheinbar in der rechten Ecke des Fensters platzierte Button Copy FEN entscheidend. Damit wird die aktuelle Brettstellung in die Zwischenablage kopiert. Sie können jetzt den EPD-String genau da platzieren, wo Sie ihn brauchen. Das kann in einem Textdokument (z.B. einer Email) oder auch in einem anderen Schachprogramm sein, das EPD unterstützt.
 
Fritz ermöglicht nicht nur den Export über die Zwischenablage. Sie können einen EPD-String und damit eine Stellung auch direkt aus der Zwischenablage heraus in Fritz übernehmen. Nehmen wir an, Sie haben eine Email mit einem eingefügten EPD-String erhalten. Kopieren Sie den Eintrag in die Zwischenablage und wechseln wie zuvor beschrieben in die Stellungseingabe von Fritz/ChessBase. Klicken Sie jetzt auf den Button Paste FEN und die Stellung kann umgehend mit Fritz & Co analysiert werden.
 
Es gibt noch eine weitere Möglichkeit, aus Fritz heraus einen EPD-String in die Zwischenablage zu kopieren. Klicken Sie während Fritz rechnet mit der rechten Maustaste in das Analysefenster. Klicken Sie jetzt in der eingeblendeten Dialogbox auf den Eintrag "Auf Zwischenablage kopieren". Fritz kopiert die aktuelle Stellung in Form eines EPD-Strings in die Zwischenablage und fügt gleichzeitig Informationen aus dem Analysevorgang, z.B. verbrauchte Bedenkzeit, Rechentiefe, Hauptvariante usw. mit ein. Diese Funktion eignet sich z.B. hervorragend, um bei Diskussionen in Schachforen die Bewertungen des Schachprogramms zu integrieren. Bis auf den direkten Zugriff auf Dateiebene bieten Fritz/ChessBase einige innovative Funktionen im Umgang mit dem EPD-Format.
 
 
Shredder 4.0
Das aktuelle WM-Programm von Stefan Meyer-Kahlen gibt sich im Umgang mit dem EPD-Format keine Blöße und demonstriert auf vorbildliche Weise, wie dieses Format unterstützt werden sollte. Das Programm unterstützt EPD sowohl direkt auf Dateiebene (speichern und laden) als auch über die Zwischenablage. Besonders anwenderfreundlich ist beim Handling mit EPD-Dateien das kleine Vorschaufenster, wo man nicht nur den kryptischen Ascii-Text des aktuellen EPD-Strings angezeigt bekommt, sondern übersichtlich in einer EPD-Datei blättern kann und zu jedem String die entsprechende Position als Vorschau angezeigt bekommt.
 
Der Datenaustausch über die Zwischenablage wird ebenfalls vorbildlich unterstützt. Man könnte in Anbetracht der gelungenen Schnittstelle Shredder 4.0 auch als "EPD-Shredder" bezeichnen, einfach vorbildlich. Falls einzelne Positionen in einer EPD-Datei mit dem Kommentar "bm" (also dem Lösungszug) versehen sind, gibt Shredder bei der vollautomatischen Analyse von EPD-Dateien an, ob der als Kommentar eingetragene Zug gefunden wurde.
 
 
Chess Genius 6.5
Genius 6.5 bietet ebenfalls einen sehr guten Support für EPD auf Dateiebene. Sowohl laden und speichern ist problemlos möglich und der Datenaustausch via Zwischenablage wird ebenfalls unterstützt. Allerdings kann Genius nichts mit dem uns bereits bekannten Kommentar "bm" anfangen, erkennt also den vorgegebenen Lösungszug nicht. Dafür bietet Genius ein besonders nützliches Schmankerl: es kann Positionsdatenbanken im CBF-Format in einem Rutsch in das EPD-Format konvertieren! Dies funktioniert so:
 
Aus dem Menü "Datenbank" starten Sie die Funktion "Datenbank kopieren". Im Dialogfenster "Datenbanken" kopieren können Sie die Vorgaben für die Konvertierung festlegen. Unter "Quelle" geben Sie dann den Namen der CBF-Datenbank an, die konvertiert werden soll. Achten Sie darauf, dass die CBF-Datei nur Schachpositionen und keine Partienotationen enthält. Unter "Ziel" legen Sie fest, ob die Daten in eine bereits existierende oder eine neue EPD-Datei übernommen werden sollen. Genius 6.5 bietet ebenfalls eine sehr gute Schnittstelle für das EPD-Format, insbesondere die zuvor beschriebene Konvertierung in einem "Aufwasch" ist extrem nützlich.
 
 
Rebel
Rebel von Ed Schröder bietet ebenfalls eine gute Schnittstelle zum EPD-Format. Sowohl direkter Dateizugriff als auch automatische Analyse mit Kennung des Best-Move-Kommentars sind möglich. Als DOS-Programm kann es allerdings mit der Zwischenablage überhaupt nichts anfangen. So weit die Optionen einiger kommerzieller Vertreter.
 
 
ChessAssistent 5.1
Wie der CA 5.1 mit dem EPD-Format klarkommt wird auf dessen neuer Updateseite besprochen.
 
So weit die Optionen einiger kommerzieller Vertreter. Als ultimatives Tool empfehle ich das kostenlose Programm EPD2Diag von Manfred Rosenboom, das als absoluter EPD-Spezialist in vorbildlicher Weise vielfältige Funktionen im Umgang mit EPD bietet. Wie bereits im ersten Teil bemerkt wurde, wird das Programm auf unserer Freeware-Seite besprochen.
 
Peter Schreiner
 
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